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Hat eine unabhängige Bewertung Einfluss auf die Labels?

Ein Rebberg mit einem schlossartigen Weingut im Hintergrund

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Was können Nachhaltigkeitslabels wirklich leisten? Für Beschaffende ist diese Frage zentral. Denn sie müssen entscheiden, welche Labels ihre Anforderungen glaubwürdig abdecken. Das Bio-Label Delinat zeigt: Eine unabhängige Bewertung kann selbst ein Label in Bewegung bringen.

Wer für eine Gemeinde oder Organisation einkauft, steht vor einer grossen Vielfalt an Labels. Allein bei Textilien gibt es 18 bewertete Labels, darunter Oeko-Tex®, GOTS und Fairtrade Baumwolle (siehe Artikel «Neuer Nachhaltigkeits-Check für Textillabels»). Hinter jedem Label stecken unterschiedlich strenge Vorgaben, Kontrollen und Nachweise. Diese Unterschiede sind auf den ersten Blick aber kaum erkennbar. Genau hier setzt die unabhängige Informationsplattform Labelinfo.ch an.

Hilfreich für Beschaffende und Labels gleichermassen

Die Plattform bewertet und vergleicht Nachhaltigkeitslabels nach einheitlichen Kriterien und erleichtert damit die nachhaltige Beschaffung. So wird sichtbar, wo die Stärken der Labels liegen und wo Anforderungen weniger weit gehen. Beschaffende können damit direkt prüfen, welche der bewerteten Labels die Kriterien ihrer Ausschreibung erfüllen. Mehr zur Plattform Labelinfo.ch erfahren Sie im folgenden Artikel:

«Konsument:innen brauchen Orientierung im Label-Dschungel»

Seit 2001 bietet Labelinfo.ch Konsument:innen und Personen in der professionellen Beschaffung einen Überblick über die wichtigsten Labels. Nun wurde die bekannte, von Pusch initiierte Informationsplattform komplett überarbeitet. Ein Gespräch mit Patricia Letemplé, Projektleiterin Nachhaltige öffentliche Beschaffung und Labels bei Pusch, über die neue Bewertungsmethodik, das Redesign und den Sinn und Zweck einer Labelinformationsplattform.

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Die Bewertung wirkt aber auch in die andere Richtung. Labelinhaber:innen erkennen, wo sie ihre Richtlinien präzisieren oder verschärfen können. Denn beispielsweise machen einzelne Anforderungen zwischen «sehr empfehlenswert» und der Top-Kategorie «ausgezeichnet» einen grossen Unterschied. Genau diese Unterschiede analysiert Labelinfo.ch methodisch nach einem transparenten Raster.

Was Labelinfo.ch den Beschaffenden ermöglicht

  • Labels nach einheitlichen Kriterien vergleichen

  • Anforderungen und Glaubwürdigkeit besser einschätzen

  • Stärken und Schwächen eines Labels erkennen

  • Unterschiede zwischen ähnlich wirkenden Labels sichtbar machen

  • Nachhaltigkeitsentscheide besser begründen

  • Auf eine Bewertung zurückgreifen, die auch Weiterentwicklungen der Labels berücksichtigt

Wenn aus Bewertung Bewegung entsteht

Die veröffentlichten Ergebnisse schaffen auch für die Labels Sichtbarkeit auf der Plattform. Jede Organisation hinter einem Label erhält aber davor Einblick in ihre Bewertung. «Eine Bewertung auf Labelinfo.ch ist immer eine Momentaufnahme», erklärt Gianna Lazzarini, Projektleiterin von der ZHAW. «Jede Bewertung hängt direkt daran, was in den aktuell gültigen Standarddokumenten eines Labels steht. Dadurch erkennen Labelinhaber:innen, bei welchen Anforderungen noch Punkte fehlen.» Manche überprüfen daraufhin ihre Richtlinien. Sie ergänzen Vorgaben, formulieren Anforderungen verbindlicher, verlangen zusätzliche Nachweise oder entwickeln ihre Richtlinie weiter.

«Eine Bewertung ist immer eine Momentaufnahme – und ein perfektes Label gibt es nicht.»

– Gianna Lazzarini, Projektleiterin ZHAW, Methodik Labelinfo

Labels können sich verbessern

Die ZHAW-Wissenschaftlerin erklärt: «Verschärft eine Labelinhaberin ihre Vorgaben, etwa neue Auflagen zum Bodenschutz oder zur Entlöhnung, verbessert sich die Punktzahl entsprechend. Werden Anforderungen gelockert oder Fristen gestrichen, kann sich auch das Gegenteil zeigen.» Delinat, das Label für biologischen Wein aus Europa, hat diese Aussensicht genutzt.

Nach der neuen methodischen Bewertung durch Labelinfo.ch landete Delinat 2024 zunächst in der zweitbesten Kategorie «sehr empfehlenswert». Daniel Wyss, Winzerberater bei Delinat erklärt: «Das genügte uns nicht. Es war uns wichtig, die Lücken nicht nur zu kennen, sondern, wo möglich, zu schliessen und klarer zu formulieren, da wir Vorgaben oft bereits erfüllten, aber nicht dokumentiert hatten.»

Zwischen den Reben blüht eine naturnahe Wiese mit Mohnblumen.

Biodiversität ist ein zentrales Element auf Delinat-Betrieben. Bild: Olivier Geissbuehler, Delinat

Was selbstverständlich ist, verbindlich formulieren

«Viele der Lücken betrafen Anforderungen, die Delinat als selbstverständlich betrachtete», erläutert Wyss, «nur standen diese noch nicht ausdrücklich in den Richtlinien oder waren anders formuliert.» Ein Beispiel waren die sozialen Anforderungen. Delinat sprach bisher von Mindestlöhnen. Neu nahm das Unternehmen ausdrücklich «existenzsichernde Löhne» in seine Richtlinien auf. Auch Diskriminierung, Mutterschaft und der Schutz vor sexueller Belästigung wurden konkreter festgehalten. «Das war ein wichtiger Schritt für die Transparenz unseres Labels – obwohl wir schon lange diese Punkte leben – jetzt steht es schwarz auf weiss in den Richtlinien.»

«Es ist uns wichtig, Lücken zu sehen und, wo möglich, zu schliessen.»

– Daniel Wyss, Winzerberater, Delinat

Weiterentwicklung wird Pflicht

Ein weiteres Beispiel betrifft den Umgang mit Wasser. Delinat ergänzte eine bereits bestehende Vorgabe in der Richtlinie, dass Betriebe zusätzlich die Rechtmässigkeit ihrer Wasserentnahme nachweisen müssen. In Gebieten mit erhöhtem Wasserstress, also mit knappen Wasserressourcen, verlangt Delinat zudem einen Wassermanagementplan.

Die Betriebe müssen darin zeigen, wie sie Wasser sparen und besser im Boden durch Wasserretentionsmassnahmen zurückhalten. Je nach Standort der Weingüter führten diese neuen Vorgaben zu zusätzlicher Arbeit auf den Betrieben.

Ein Teich mitten im Rebgut

Der Wasserretentionsteich auf Château Duvivier in der Provence ist Teil des geforderten Wassermanagements. Bild: Daniel Wyss / Delinat

Wyss unterstreicht den kooperativen Ansatz: «Wir beziehen bei Richtlinienänderungen unsere Winzer mit ein und lassen sie nicht allein bei der Umsetzung.» Die Massnahmen zum Wassermanagement zahlten sich laut dem Delinat-Winzerberater aus. Im aussergewöhnlich trockenen Sommer 2026 kamen die beteiligten Betriebe besser mit der Dürre zurecht als herkömmliche Betriebe.

Zwei Männer stehen mitten in einem Rebgut voller Reben mit dürren Blättern

Daniel Wyss und Winzer Salvatore Mero begutachten in Apulien den Agroforst im Weinberg: Reben kombiniert mit Bäumen und Sträuchern sorgen für Schatten, Bodenschutz und Wasserrückhalt. Bild: Nina Wessely / Delinat

Der Blick von aussen verhilft zu Klarheit

Heute wird Delinat auf Labelinfo.ch mit «ausgezeichnet» bewertet. Für Daniel Wyss liegt der Nutzen aber nicht allein in der besseren Einstufung. «Die Bewertung hilft uns, Dinge zu sehen, die wir selbst vielleicht nicht gesehen haben.» Der unabhängige Vergleich motiviere Delinat zudem, die eigenen Anforderungen laufend weiterzuentwickeln. Das Beispiel zeigt, was hinter einer Labelbewertung stecken kann: Sie kann konkrete Veränderungen anstossen.

Ein perfektes Label gibt es nicht

«Ausgezeichnet» heisst, dass ein Label nicht nur in einer, sondern in allen bewerteten Nachhaltigkeitsdimensionen – Umweltfreundlichkeit, Sozialverträglichkeit, gegebenenfalls Tierwohl – hohe Anforderungen stellt (siehe Box). Doch anspruchsvolle Richtlinien allein reichen nicht. «Zugleich muss glaubwürdig sichergestellt sein, dass diese Anforderungen auch kontrolliert und durchgesetzt werden», so Gianna Lazzarini von der ZHAW, «die Glaubwürdigkeit wirkt somit als Grundvoraussetzung.»

Was braucht es für die Kategorie «ausgezeichnet»?

Ein «ausgezeichnetes» Label muss nicht in jedem einzelnen Kriterium die Höchstpunktzahl erreichen. Doch in jeder bewerteten Nachhaltigkeitsdimension müssen mindestens 75 Prozent der möglichen Punkte erreicht werden – es reicht also auch nicht, nur in einer Dimension hervorragend zu sein. Labelinfo.ch stützt sich auf die schriftlichen Richtlinien eines Labels und bezieht die Labelinhaber in die Prüfung ein.

Und selbst die höchste Bewertung ist kein Endpunkt. «Ein perfektes Label gibt es nicht.» Neue wissenschaftliche Erkenntnisse entstehen. Anforderungen verändern sich. Damit entwickeln sich auch die Erwartungen an Nachhaltigkeitslabels weiter. Daraus ergibt sich eine positive Beeinflussung auf nachhaltige Vorgaben und schliesslich auf die Umwelt.

Titelbild: Daniel Wyss, Delinat

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