Eine digitale Welt am Leben halten? Im Lernspiel Murilo zählt jede Entscheidung

Ein neues Jahr bricht an: Wie geht es deiner Welt? Allein oder zu zweit bewohnen Schüler:innen die digitale Spielwelt «Murilo» und treffen Konsumentscheidungen. So erleben sie unmittelbar, wie jede Wahl sowohl die Umwelt als auch die Gesellschaft beeinflusst.
Sind die Gletscher weiter zurückgegangen, ist die Waldfläche geschrumpft oder ist die Stadt grüner geworden? Nach jeder Entscheidung verändert sich die Murilo-Welt – das digitale Lernspiel über Konsum von Pusch. Wer schafft es, sie am längsten im Gleichgewicht zu halten?
Entscheidung mit Folgen
In Murilo haben die Schüler:innen spielerisch die Wahl: Kurz und eher kalt duschen oder länger und heiss? Tierische oder pflanzliche Produkte einkaufen? Mit dem Velo zur Schule fahren oder sich mit dem Auto bringen lassen? «Je nachdem, wie ressourcenintensiv ihre Entscheidungen ausfallen, entwickeln sich die Umweltwerte ihrer Welt unterschiedlich», erklärt Projektleiterin Annina Ruppli.
Wer oder was ist «Murilo»?
Der Name Murilo stammt von einem kleinen Atoll im Pazifik, das aufgrund seiner Topografie besonders stark von den Folgen des Klimawandels betroffen ist. Er steht symbolisch dafür, dass unsere Entscheidungen Auswirkungen auf Menschen und Umwelt anderswo auf der Welt haben können – ein zentrales Anliegen des Lernspiels.
Nach jeder Antwort verändert sich die Spielwelt in fünf Bereichen: Klima, Wasserqualität, Biodiversität, Waldbestand und Zufriedenheit der Menschen. Ziel ist es, die eigene Welt möglichst lange im Gleichgewicht zu halten und dabei den Klimawandel und den Ressourcenverbrauch im Blick zu behalten.
Alltagsfragen beeinflussen den Zustand der Spielwelt. Von grünen Flächen, sauberem Wasser und intakten Gletschern zu ...
... einer gefährdeten Welt, wenn die Entscheidungen ressoucenintensiv sind.
Alltagsfragen beeinflussen den Zustand der Spielwelt. Von grünen Flächen, sauberem Wasser und intakten Gletschern zu ...
Was ist schon «richtig»?
«Die Krux dabei: Nicht jede Entscheidung ist eindeutig richtig oder falsch», erklärt Ruppli. Pünktlich mit dem Töffli ankommen oder zu spät, dafür zu Fuss? Die Jugendlichen wägen unterschiedliche Interessen ab, diskutieren Zielkonflikte und erleben, dass eine Entscheidung beispielsweise im sozialen Sinn einen Vorteil, im ökologischen aber Nachteile haben kann.
Was hinter den Spielwerten steckt
Die Auswirkungen der Entscheidungen bei Klima, Wasserqualität, Biodiversität und Landnutzung basieren auf realen Ökobilanzen.
Kniffliger ist es bei der Zufriedenheit der Menschen: Sie lässt sich nicht wie eine Umweltwirkung mit einer Ökobilanz berechnen. Dennoch berücksichtigt Murilo, ob sich eine Entscheidung eher positiv oder negativ auf Menschen und Gesellschaft auswirkt.
Und plötzlich kommt die Dürre
Ein Tsunami, eine Dürre oder ein anderes unerwartetes Naturereignis kann die Murilo-Welt gehörig durcheinanderbringen. Schaffen es die Jugendlichen, ihre Welt wieder ins Gleichgewicht zu bringen? Sekundar- und Realschullehrerin Carla Born beobachtet, wie der spielerische Wettbewerb die Klasse packt: «Die Schüler:innen haben mit der Zeit immer mehr Ehrgeiz entwickelt, um die beste Welt oder die längste Dauer zu schaffen.»
Die Welt stirbt, wenn Biodiversität, Klima oder die Gesellschaft aus der Balance fällt. Diskussion mit den Schüler:innen: Was gab den Ausschlag?
Die Welt darf auch mal untergehen
Im Spiel werden Folgen sichtbar, die sich in der Realität oft erst Jahre später zeigen. Annina Ruppli erklärt: «Die Schüler:innen sollen ausprobieren können: Was passiert, wenn wir anders entscheiden als sonst – oder bewusst Risiken eingehen? Dass die Murilo-Welt untergehen kann, gehört zum Spiel.»
«Die Krux: Nicht jede Entscheidung ist eindeutig richtig oder falsch.»
– Annina Ruppli, Projektleiterin Murilo bei Pusch
Vom Spielen ins Diskutieren
«Murilo bietet sich gut als Einstieg in Diskussionen mit der Klasse an», sagt Oberstufenlehrer Marc Pauli. Die Folgen der eigenen Entscheidungen werden unmittelbar sichtbar – an den Barometern der einzelnen Themenfelder und an der Murilo-Welt selbst. Das liefert Stoff für die gemeinsame Reflexion: Warum hat eine Welt länger funktioniert als eine andere? Wo mussten wir Kompromisse eingehen? Welche Entscheidung hat uns überrascht? Würden wir im echten Leben genauso entscheiden? Und wo stösst eine Simulation wie Murilo an ihre Grenzen?
Mit wenig Aufwand startklar
Reflexionsfragen und Unterrichtsimpulse helfen, die Spielerfahrungen auf den Alltag der Jugendlichen zu übertragen und Diskussionen zu Zielkonflikten, Konsum und Nachhaltigkeit anzuregen. «Uns war wichtig, dass sich Murilo ohne aufwendige Vorbereitung in den Unterricht integrieren lässt», führt die Projektleiterin Ruppli aus. Die Spielanleitung sowie das didaktische Begleitdossier unterstützen Lehrpersonen bei Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung mit konkreten Vorschlägen.
Murilo – digitales Lernspiel
Schulstufe: 3. Zyklus
Lehrplan 21: WAH 3.1, WAH 3.2, WAH 3.3, NT 9.3, RZG 3.1
Vorbereitungszeit: ca. 1 Stunde für Begleitdossier und Spielinstruktion
Dauer: 2–3 Lektionen Spielzeit (in Etappen möglich), 1 Lektion nachfolgende Diskussion
Material: 1 Tablet pro Schüler:in oder pro 2er-Gruppe
Kosten: kostenlos
Lernziele und Lehrplanbezug
Zu Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) bietet Murilo einen unkomplizierten Zugang. Die Schüler:innen setzen sich mit den Folgen ihres Konsumverhaltens auseinander und erkennen, dass ihre Entscheidungen sogar globale Auswirkungen haben können. Auswirkungen auf sie selbst, auf andere Menschen, Tiere und Pflanzen, an anderen Orten oder zu einem späteren Zeitpunkt. Sie wägen unterschiedliche Perspektiven ab, begründen ihre Entscheidungen und üben dabei überfachliche Kompetenzen wie kritisches Denken, Kommunikation und Kooperation. Das Spiel lässt sich direkt mit BNE und dem Lehrplan 21 verknüpfen.