E-Baustellen: Wie Gemeinden den Einstieg schaffen

Ein Bagger hebt Erde aus, ein Lastwagen liefert Material und trotzdem bleibt es vergleichsweise ruhig. Weniger Treibhausgase, weniger Lärm, bessere Luft: Auf E-Baustellen ist das bereits Realität. Drei Pilotprojekte in Zürich, Luzern und Basel zeigen, wie Gemeinden den Einstieg angehen können.
Für Städte und Gemeinden sind E-Baustellen ein wichtiger Baustein auf dem Weg zu Netto-Null. Dabei gibt es unterschiedliche Wege, elektrische Baumaschinen in Planung, Beschaffung und Baustellenbetrieb zu integrieren.
Zürich: Klein anfangen, gross lernen
Die Stadt Zürich startete bewusst mit einem kleineren Pilotprojekt auf der Schulanlage Riedenhalden. Die alte Turnhalle wurde zum Betreuungs- und Verpflegungsgebäude umgebaut. Der überschaubare Rahmen bot die Möglichkeit, praktische Fragen zu klären, etwa zur Verfügbarkeit leistungsstarker Akkus, zur Ladeinfrastruktur und zu den notwendigen Investitionen der Bauunternehmen.
Nachhaltigkeit als Vergabekriterium testen
In diesem Projekt erprobte das Amt für Hochbauten (AHB) der Stadt Zürich Nachhaltigkeitskriterien als Vergabekriterium in verschiedenen Submissionsverfahren – vom offenen Verfahren über das Einladungsverfahren bis zur freihändigen Vergabe. Wie das Kriterium im offenen Verfahren eingesetzt wurde, erklärt der zuständige Projektleiter des AHB, Carl Paatz: «Die Resonanz war sehr positiv. In dem offenen Submissionsverfahren für Baumeisterarbeiten mit Zuschlagskriterium ‹Elektrisches Bauen› und einer Gewichtung von 30 % haben wir mehrere relevante elektrifizierte Angebote erhalten.»
Trotz der Baustelle direkt neben dem Schulhaus war Lernen ohne den üblichen Baulärm möglich.
Offene Schulfenster trotz Baustellentrubel
Das Ergebnis: Bagger, Dumper und Radlader konnten elektrisch betrieben werden. Material wurde mit Elektrolastwagen und einem elektrischen Fahrmischer angeliefert und abtransportiert. Auch die Mitarbeitenden fuhren mit Elektroautos vom Baugeschäft zur E-Baustelle. Die geringe Lärmbelastung zeigte einen unmittelbaren Vorteil: Die Klassen der Schulanlage konnten trotz der laufenden Bauarbeiten bei offenem Fenster unterrichtet werden.
Hilfsmittel für Gemeinden
Wegleitung zur ersten Ausschreibung einer E-Baustelle (ecoforce): Konkrete Empfehlungen für die öffentliche Ausschreibung und zur Reduktion von Risiken bei den Angeboten.
Wegleitung zur ersten E-Baustelle im Hochbau (ecoforce): Vier Schritte von der Projektauswahl über die Machbarkeit und Ausschreibung bis zur Umsetzung im Hochbau.
Wegleitung zur ersten E-Baustelle im Tiefbau (ecoforce): Vier Schritte von der Projektauswahl über die Machbarkeit und Ausschreibung bis zur Umsetzung im Tiefbau.
Luzern: Die ganze Baustelle mitdenken
Luzern ging bei einer Pilotbaustelle vor dem Bahnhof noch umfassender vor: Der Umbau erfolgte weitgehend elektrisch. In dieser Grössenordnung eine Premiere im Schweizer Tiefbau. Beim Bau der Haltekante Y kamen zahlreiche elektrische Maschinen zum Einsatz, vom Radbagger über den Asphaltfertiger bis zur 7-Tonnen-Vibrowalze. Auch die Materialtransporte wurden grösstenteils elektrisch durchgeführt.
Stromversorgung ein wichtiger Planungspunkt
Dabei zeigte sich: Eine E-Baustelle braucht mehr als elektrische Maschinen. Schon bei der Vorbereitung stellen sich Fragen zur Verfügbarkeit und Beschaffung der Maschinen, zur Stromversorgung und zu den Arbeitsabläufen. In Luzern mussten dafür etwa Lademöglichkeiten auf der Baustelle und am nahe gelegenen Inseli bereitgestellt werden. Die Beteiligten entwickelten dafür gemeinsam Lösungen.
Für die Ladeinfrastruktur mussten gemeinsam Lösungen entwickelt werden.
Die Stadt Luzern will ab 2040 auf stadteigenen Baustellen nur noch Fahrzeuge und Maschinen mit erneuerbarem Antrieb einsetzen. Das Pilotprojekt liefert dafür wichtige Erkenntnisse für dieses Vorhaben.
Basel: Messen, vergleichen, weiterentwickeln
Auch Basel-Stadt testet die Elektrifizierung und untersucht gezielt, welchen Unterschied sie gegenüber einer konventionellen Baustelle bringt. Dafür wurde das Pilotprojekt an der Hegenheimerstrasse mit einer ähnlichen Baustelle am St. Johanns-Platz verglichen, auf der konventionelle Maschinen zum Einsatz kamen.
Messungen zeigen, wie stark E-Baustellen Umweltbelastungen reduzieren können.
Ergebnis als Grundlage für weitere Projekte
Gemessen werden unter anderem Treibhausgas-, Schadstoff- und Lärmemissionen. So lässt sich untersuchen, welche Einsparungen durch die Elektrifizierung tatsächlich erreicht werden können. Die Ergebnisse sollen als Grundlage für das weitere Vorgehen und eine Roadmap dienen. Denn Basel-Stadt hat sich zum Ziel gesetzt, Baustellen bis 2037 lokal CO
Vom Pilotprojekt zum Standard
Die drei Pilotprojekte zeigen: Elektrische Baumaschinen sind einsatzbereit. Die Erfahrungen aus Zürich, Luzern und Basel liefern wertvolle Erkenntnisse für den nächsten Schritt. Nun gilt es, diese in weitere Bauprojekte zu übertragen und anderen zu zeigen, dass E-Baustellen machbar sind.
Dafür müssen Gemeinden einige Fragen klären: Wie sehen die Stromversorgung und Ladeinfrastruktur aus? Welche Maschinen sind verfügbar? Welche Anforderungen können Bauunternehmen erfüllen? Und wie lassen sich die neuen Abläufe in die Planung und in Bauvorhaben integrieren?
Gemeinden zögern teilweise mit entsprechenden Ausschreibungen, weil sie zu wenige Angebote oder zusätzliche Risiken befürchten. Gleichzeitig halten sich Unternehmen mit Investitionen zurück, solange die Nachfrage unsicher ist. Genau hier kann die öffentliche Beschaffung einen wichtigen Impuls geben.
Nachfrage bringt Bewegung
Für Carl Paatz liegt die nächste Herausforderung deshalb weniger bei der Technik als bei der Nachfrage: «Die Skalierung von E-Baustellen ist nicht mehr eine Frage der technischen Machbarkeit. Entscheidend sind die wirtschaftliche Auslastung und die praktische Erfahrung bei den Unternehmen. Es geht also um die zuverlässige Nachfrage, zum Beispiel von der Stadt Zürich und anderen Auftraggeber:innen. Deshalb laufen bei uns auch schon weitere Projekte als E-Baustelle.»
«Für grössere Bauvorhaben prüft das Amt für Hochbauten, die Umweltbelastung von Baumaschinen, Spezialtiefbau und Transporten künftig standardmässig als Zuschlagskriterium zu berücksichtigen.»
– Carl Paatz, Projektleiter, Amt für Hochbauten, Stadt Zürich
Laut Paatz entwickelt deshalb die Stadt Zürich auch ihre eigene Beschaffungspraxis weiter: «Für grössere Bauvorhaben prüft das Amt für Hochbauten, die Umweltbelastung von Baumaschinen, Spezialtiefbau und Transporten künftig standardmässig als Zuschlagskriterium zu berücksichtigen.»
Damit E-Baustellen zum Standard werden, können Gemeinden auf den Erfahrungen anderer aufbauen und ihre Planung sowie Beschaffung Schritt für Schritt weiterentwickeln.
Was Gemeinden jetzt tun können
Pilotprojekt wählen: Mit einer geeigneten, überschaubaren Baustelle starten.
Markt früh prüfen: Klären, welche Maschinen und Lösungen verfügbar sind und welche Anbieter:innen sie bereitstellen können.
Vergabe gezielt formulieren: Nachhaltigkeitskriterien und Anforderungen an elektrische Maschinen in Ausschreibungen verankern.
Infrastruktur planen: Stromversorgung und Ladepunkte von Planungsbeginn an mitdenken.
Zum Vertiefen:
Stadt Zürich:
Stadt Luzern:
Basel-Stadt:
Titelbild: Stadt Zürich, Amt für Hochbauten; © JG Video