Naturoase Pausenplatz

Begeisterte Kinder und viele neue Lebensräume für Tiere und Pflanzen: Die Umgestaltung der Schulhausumgebung der Schule Gadretsch in Sevelen war ein voller Erfolg. Profitiert hat die Schule dabei unter anderem von einer Zusammenarbeit mit der PH St. Gallen.
Ein Lebensturm, Wildgehölz, Ast- und Steinhaufen, eine Kräuterschnecke oder ein Schmetterlingsbeet: Die Primarschule Gadretsch in Sevelen (SG) hat zusammen mit Pusch, der PH St. Gallen und einer Gartenbaufirma ihre Schulhausumgebung zu einer Naturoase umgestaltetet. Das hat die Beziehung der Kinder zur Natur nachhaltig verändert und sie konnten Dinge lernen, die im Schulalltag normalerweise eher zu kurz kommen.
Eine willkommene Abwechslung zum Schulalltag
«Man lernt die Kinder bei so einem Vorhaben nochmals anders kennen», sagt Jana Ritter, Primarlehrerin an der Schule Gadretsch. Sie war federführend am Projekt beteiligt. Dieses unterscheidet sich vom normalen Schulunterricht: Es geht darum, zusammen etwas zu planen, gestalten, schaufeln, sägen, pflanzen – mit den Händen zu arbeiten. «Das Handwerkliche wird im gewöhnlichen Schulalltag sonst weniger gefördert», sagt Ritter. Und etwas, das normalerweise fest in der Schule verankert ist, fehlt hier vollständig: «Für einmal geht es nicht um Noten, das fand ich sehr schön.»
In Zusammenarbeit mit der PH St. Gallen erschuf die Schule einen sogenannten Lebensturm. Bild: Pusch
Dass es keine Noten gab, war der Motivation der Kinder nicht abträglich. In mehreren Etappen packten die rund 300 Kinder tatkräftig an. Entstanden sind dabei unter anderem ein Trockenbiotop, Wildgehölze, Ast- und Steinhaufen, ein Schmetterlingsbeet, Insektenhotels und ein sogenannter Lebensturm. Das ist ein Turm, der auf kleinstem Raum verschiedene Lebensräume bietet. Indem die Kinder selbst Hand anlegten, haben sie ein vertieftes Verständnis für Lebensräume entwickelt. «Sie wissen nun zum Beispiel, dass Wildbienen lieber eine Blumenwiese statt eines geschnittenen Rasens haben, weil sie selbst Wildblumen anpflanzten», sagt Ritter.
Schule und PH profitierten voneinander
Ganz ohne zusätzliche Hilfe konnte so ein Vorhaben allerdings nicht gestemmt werden. Das Projekt angestossen hat Pusch im Rahmen der Projektförderung, bei der die Schule eine finanzielle Unterstützung von 2000.- Franken erhielt. Auch die PH St. Gallen war im Rahmen einer Bachelorarbeit eines Studenten mit an Bord, wodurch beide Seiten voneinander lernen konnten: Die Schule profitierte vom fachlichen Know-how des Studenten und davon, dass der Lead so bei einer Person war. Auf der anderen Seite bot ihm die Schule mit dem Projekt Praxiserfahrung – eine Win-win-Situation. Weiter war auch eine Gartenbaufirma involviert, welche das Projekt mit Material und Arbeitskräften unterstützte.
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Viel Arbeitskraft war vor allem während der Projektwoche im Herbst 2022 gefragt, bei der ein Grossteil der Umgestaltung stattfand. Anfänglich hätten einige Schüler:innen noch etwas Berührungsängste mit der Natur gezeigt, wenn sie zum Beispiel etwas Dreckiges anfassen mussten. Aber das habe sich im Verlaufe der Woche komplett geändert. «Am Schluss wollten die Kinder teilweise gar nicht mehr aufhören zu schaufeln», blickt Jana Ritter zurück. «Sie waren wirklich top motiviert.»
Ein langfristiges Projekt
Auch in Zukunft wird es immer mal wieder Arbeiten draussen geben, denn das Projekt ist über drei Jahre geplant. Und auch im Schulalltag ist es nun fest verankert. Oft würden die Kinder in der Pause den Lebensturm beobachten und anschliessend erzählen, was sie beobachtet haben. «Sie haben einen besonderen Bezug zur Schulhausumgebung, weil sie sie mitgestaltet haben», so Ritter. «Diese Freude zu sehen, ist so schön.»
Das Wichtigste in Kürze
Schule: Primarschule Gadretsch, Sevelen (SG)
Anzahl Lehrpersonen: 18
Anzahl Schüler:innen: 300
Projektdauer: 2020-2023
Projektkosten: 12‘000 Franken
Projektverantwortlich: Jana Ritter, Kira Guntli
Involvierte Partner: PH St. Gallen, GLOBE, Gartengestaltung Müko
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