Wenn Kinder über Energie und Klima nachdenken

«Stellt euch vor, ihr müsstet vor jedem Gamen zuerst selbst Strom produzieren.» Die Kinder der 6. Klasse lachen. «Uh, dann hör ich auf!» Der neu konzipierte Pusch-Umweltunterricht zum Thema Energie und Klima beginnt ganz nah an der Erlebniswelt der Schüler:innen und führt bis zur Diskussion über eine klimaresiliente Pausenplatzgestaltung.
Zu Beginn strampelt vorne im Schulzimmer Profisportler Robert auf einem Velo für seinen knusprigen Toast – natürlich virtuell in einem kurzen Videoclip über Stromerzeugung. Wenige Minuten später liegt der Sportler erschöpft am Boden, das Toastbrot kaum angebräunt. Die Schüler:innen ächzen. «Es bräuchte ja mega viele Roberts, um zu gamen!», ruft jemand aus der hinteren Reihe.
Das steckt hinter dem neuen Unterrichtskonzept
Der neu konzipierte Pusch-Umweltunterricht orientiert sich an den Anforderungen der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) im Lehrplan 21. Er verbindet Fachwissen mit lebensnahen Fragestellungen. Durch eigenes Ausprobieren, Reflektieren und Diskutieren stärken die Schüler:innen dabei wichtige Zukunftskompetenzen. Sie erfahren, dass ihre Meinung wichtig ist. Das fördert Partizipation und Selbstwirksamkeit und motiviert junge Menschen, ihre Zukunft aktiv mitzugestalten.
Die Themen «Energie und Klima», «Abfall und Konsum» sowie «Wasser» trägt Pusch spielerisch und praxisnah ins Klassenzimmer – vom Kindergarten bis zur 9. Klasse. In zwei bis drei altersgerechten Lektionen setzen sich die Schüler:innen mit Umweltfragen auseinander und entdecken, wie diese mit ihrem Alltag zusammenhängen.
Das Plus für Lehrpersonen
Für Lehrpersonen bedeutet der Pusch-Umweltunterricht: Null Vorbereitungsaufwand, anschauliche Unterrichtsmaterialien und fachliche Perspektiven durch externe Umweltlehrpersonen. Dank der Unterstützung von Gemeinden, Städten und Partnerorganisationen ist der Unterricht für Schulen in 760 Gemeinden kostenlos.
Der Energie und dem Klima auf der Spur
Der Pusch-Umweltlehrer Andreas Fröhlich fragt nicht nach Definitionen oder Faktenwissen. Stattdessen sammelt er mit der Klasse Alltagssituationen aus der eigenen Morgenroutine.
Duschen? Energie.
Licht einschalten? Energie.
Milch aus dem Kühlschrank holen und wärmen? Energie.
Handy checken? Natürlich Energie.
Bustür öffnen? Energie.
Fröhlich bohrt weiter: «Und wenn es einen Blackout gäbe … Was würde dann in einer Stadt wie Zürich nicht mehr funktionieren?» Und schon steigen die Kinder gedanklich um vom Bus aufs Velo, vom Handy aufs Buch, vom täglichen langen Warmduschen zum kurzen Duschstopp einmal die Woche.
Wie viel Strom verbraucht ein Fön? Zwei Schüler messen und vergleichen verschiedene Alltagsgeräte.
Wie Energie und Klima zusammenhängen
Die Schüler:innen merken schnell: Energie zieht sich durch ihren gesamten Alltag. Dieses Anknüpfen an konkrete Erfahrungen ist zentral im Pusch-Umweltunterricht. Der Einstieg weckt Neugier. Denn plötzlich wird sichtbar, was im Alltag für Kinder meist unsichtbar bleibt: Energie ist nicht einfach da. Sie muss produziert werden. Und wir benötigen doch ganz schön viel davon – mit Auswirkungen auf unsere Umwelt. Zudem hat die Art, wie wir Energie produzieren und verbrauchen, einen Einfluss auf das Klima.
Verrückte Ideen regen kritisches Denken an
Einer der sieben Forschungsposten überrascht mit ungewöhnlichen Visionen. Die Lieblingsidee: Energieproduktion durch Trampolinspringen auf dem Pausenplatz. «Cool wäre es schon», sagt Eline. Sie, Laurence und Louis wägen die Idee ab. «Aber wir benötigen ja jeden Tag Strom in der Schule!», überlegen die drei. «Dann müsste immer eine Klasse draussen Strom produzieren – bei jedem Wetter. Und im Winter benötigen wir viel mehr Energie… denkt an Sportler Robert!» Fazit: Lustige Idee, aber wenig realistisch. Die Schüler:innen lernen, Ideen kritisch zu hinterfragen, deren Auswirkungen abzuschätzen und ganzheitlicher zu denken.
Im Pusch-Umweltunterricht diskutieren diese drei 6. Klässler:innen angeregt. Miteinander wird eine Lösung ausgearbeitet.
Der Umweltunterricht bringt neue Perspektiven
Genau hier wird angesetzt. Basierend auf dem Lehrplan 21 und auf Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) verbindet er Fachwissen mit transformativem Lernen. Schüler:innen sollen nicht nur verstehen, wie Energieverbrauch und Klimawandel zusammenhängen, sondern auch Momente erleben, die berühren, irritieren und zum Nachdenken anregen. Das geschieht nicht durch Belehrung, sondern durch Austausch und Erfahrungen, die emotionale Anknüpfungspunkte schaffen und Diskussionen anregen.
Der Temperaturunterschied ist beträchtlich. Was tun mit diesem Wissen? Der nächste Posten zeigt's...
... die Aufgabe: Gestaltet gemeinsam einen Pausenplatz. Hier fliesst das entdeckte Wissen zusammen. Es braucht weniger Beton, dafür mehr Natur.
Der Temperaturunterschied ist beträchtlich. Was tun mit diesem Wissen? Der nächste Posten zeigt's...
Schüler:innen entdecken Zusammenhänge
An einem anderen Forschungsposten messen die Schüler:innen die Temperatur verschiedener Oberflächen. Ein schwarzer Stein erreicht über 40 Grad. Die grüne Filzfläche daneben bleibt deutlich kühler. Was bedeutet das für Pausenplätze? Für Quartiere? Für Städte im Sommer? Die Kinder entdecken Zusammenhänge zwischen versiegelten Flächen, Hitze und Vegetation. Sie diskutieren, inwiefern Bäume und Grünflächen für ein angenehmes Stadtklima wichtig sind. Anschliessend entwerfen sie eigene Ideen für einen Pausenplatz der Zukunft.
Die Abwechslung macht’s: Ausprobieren und Reflektieren
Ein solcher Austausch fördert und fordert die Kinder mehr als Sachwissensvermittlung. Sie reflektieren ihren eigenen Umgang mit Energie und erkennen verschiedene Einflussfaktoren im Zusammenhang mit klimafreundlichen Entscheidungen. Dieser didaktische Ansatz fördert bewusst Zukunftskompetenzen wie kritisches Denken, Kommunikation, Kooperation und Kreativität. Deshalb arbeitet der Umweltunterricht bewusst mit unterschiedlichen Zugängen. Die Schüler:innen hören Geschichten, beobachten selbst, messen, diskutieren, experimentieren und hinterfragen.
Vom Pusch-Umweltunterricht zum Klassenprojekt
Nach dem Umweltunterricht stehen nachhaltige Ideen im Raum. Können einzelne Vorschläge sogar umgesetzt werden? Der kostenlose Leitfaden «Umweltprojekte planen und umsetzen» unterstützt Lehrpersonen dabei, diese gemeinsam mit der Klasse anzugehen. Er unterstützt und erleichtert die Vorbereitung mit
Ideen für Umweltprojekte mit der Klasse
Unterstützung bei Planung und Umsetzung
Vorlagen für alle Projektphasen