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Transformatives Lernen im Unterricht: Warum Irritation wirkt

Sechs Jugendliche stehen um einen Tisch in einem Klassenzimmer. Transformatives Lernen passiert in einem sicheren Raum wie dem Klassenzimmer und bietet die Möglichkeit für gemeinsames Lernen für nachhaltige Entwicklung.

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6 Minuten Lesezeit

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Wie gelingt es, vom Wissen ins Tun zu kommen, wenn die Welt Kopf steht? Transformatives Lernen zeigt, wie wir alte Denkmuster hinterfragen, Neues entdecken und echte Veränderung wagen – für eine nachhaltige Zukunft, die wir mitgestalten können.

Weltweit wächst das Bewusstsein für die Folgen des Klimawandels, des Artensterbens, der Umweltverschmutzung und sozialer Ungleichheit. Veränderung ist notwendig, doch wie gelingt eine gesellschaftliche Transformation? Neue Erfahrungen, Emotionen und Mut sind die Schlüssel – und zwar bereits bei den Jüngsten.

Verlernen alter Muster

Für die Vereinten Nationen (UNO) spielt die Bildung im Rahmen der 17 Ziele für eine nachhaltige Entwicklung (SDGs) eine entscheidende Rolle: Sie ist die treibende Kraft, um neue Denk- und Handlungsweisen zu fördern.

Nur, Wissen allein reicht nicht, damit echte Veränderung gelingt. Es braucht ein in vielen Bereichen grundlegendes Umdenken, ein Verlernen alter Muster. Gerade Kinder und Jugendliche sind dabei die wichtigsten Gestalter:innen unserer Zeit. Sie gilt es zu ermutigen und zu befähigen, die Zukunft neu zu denken und sie zu gestalten.

Emotionen als Türöffner

In der Praxis dominieren nach wie vor Lernangebote, die Wissen über Umwelt- und Klimathemen vermitteln und auf individuelles Verhalten abzielen. Solche Formate sind wichtig, führen aber nur selten zu nachhaltigen Verhaltensänderungen. Zwischen Wissen und Handeln klafft eine Lücke – der sogenannte Mind-Behaviour-Gap.

Während sie mit einer Mitschülerin spricht, legt ein Mädchen die Hände auf ihr Herz, als wolle sie ihre Worte spürbar machen.

Emotionen regen zum Nachdenken an und führen zu einem transformativen Lernprozess.

Um diese Lücke zu schliessen, braucht es mehr als reine Wissensvermittlung. Es braucht Emotionen als Türöffner – Momente, die berühren, irritieren und zum Nachdenken anregen. Denn nachhaltiges Lernen entsteht, wenn Kopf, Herz und Hand gleichermassen angesprochen werden. Oder wie es Sandra Wilhelm in einem Interview im Pusch-Magazin sagte: «Wenn Kinder staunen, zweifeln oder lachen, ist das oft der Moment, in dem echtes Lernen beginnt. Transformatives Lernen nutzt genau diese Momente, um neue Perspektiven zu öffnen.» (Siehe Artikel «Mit transformativem Lernen wird die Vision eines besseren Lebens Wirklichkeit»).

Transformatives Lernen kurz und bündig

  • Ursprung: Erwachsenenbildung (Jack Mezirow, 1991)

  • Ziel: Hinterfragen von Denk- und Handlungsmustern

  • Ansatz: Reflexion, Irritation, Perspektivenwechsel und emotionales Erleben

  • Wirkung: Nachhaltiges Lernen, das neue Perspektiven und Haltungen eröffnet.

Lernen heisst, sich selbst zu hinterfragen

Es geht beim Transformativen Lernen darum, die eigene Sicht auf die Welt kritisch zu hinterfragen und bei Bedarf zu verändern. Gemäss dem amerikanischen Pädagogen Jack Mezirow tragen wir alle eine unsichtbare «Brille», durch die wir die Welt sehen und bewerten. Diese Sicht wird durch unsere Erfahrungen, Überzeugungen, Werte und kulturelle Prägungen geprägt.

Transformatives Lernen sucht gezielt nach Erlebnissen, die diese «Brille» verändern. Wenn wir unsere gewohnten Denkmuster erkennen und hinterfragen, eröffnen sich uns neue Perspektiven. Dieser Prozess kann ebenso sanft wie radikal sein. Lernen bedeutet also nicht nur, Wissen zu erweitern, sondern auch die eigene Haltung zu reflektieren und gegebenenfalls zu revidieren. Insofern spielt das Verlernen alter Muster eine wichtige Rolle.

Neue Erfahrungen öffnen den Blick

Lernprozesse, die unseren Blick verändern, lassen sich nicht einfach planen oder anleiten. Sie entstehen durch Erfahrungen, die irritieren und gleichzeitig neugierig machen. Genau darauf setzt Pusch in der Weiterentwicklung der eigenen Schulangebote wie beispielsweise dem Umweltunterricht. Es werden gezielt irritationsfreundliche Momente geschaffen, die Kinder und Jugendliche dazu einladen, gewohnte Sichtweisen zu hinterfragen. Dabei erleben sie Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen mit allen Sinnen, wie zum Beispiel:

  • Sie nehmen an einem Insektenbuffet teil und stellen fest, dass Essgewohnheiten kulturell geprägt sind.

  • Sie degustieren das «magische» Getränk Wasser und erfahren dessen wahren Wert neu.

  • Sie entdecken in einem Bildermosaik, dass Klimaschutz nicht Verzicht bedeutet oder langweilig und trist sein muss.

Eine Schülerin und ein Schüler halten je ein langes Döschen in der Hand. Darin befindet sich eine unbekannte Flüssigkeit. Wagen sie es, daraus zu trinken?

Was zuerst irritiert, kann der erste Schritt zu neuem Denken sein – ein wichtiger Teil des Transformativen Lernens.

Irritation als Lernmotor in der Praxis

Solche Erfahrungen schaffen emotionale Anknüpfungspunkte und regen Diskussionen an. Darauf aufbauend vertiefen die Schüler:innen ihr Wissen, beleuchten ihr Thema unter verschiedenen Blickwinkeln, entdecken neue Zusammenhänge, reflektieren ihre eigene Haltung und entwickeln eigene Ideen für eine nachhaltige Zukunft.

Entscheidend ist aber nicht nur das eigene neue Lernen, sondern auch das gemeinsame Handeln: In der Gruppe entstehen Projektideen, die Schüler:innen in der Praxis erproben können. Dafür braucht es ein Umdenken im Unterrichtsformat.

Transformatives Lernen bedeutet, Lernprozesse zu ermöglichen, statt sie zu steuern. Es fordert uns heraus, Vertrauen zu haben – in die Lernenden, in den Prozess und manchmal auch in das Ungewisse.

Es braucht Mut, die Kontrolle abzugeben

Transformatives Lernen fordert nicht nur die Lernenden heraus. Auch Lehrpersonen und Pädagog:innen sind Teil dieses Wandels. Diese Art des Lernens verlangt ein neues Rollenverständnis: von der Wissensvermittlung, hin zur Begleitung offener Lernprozesse. Was bedeutet das konkret für den Unterricht? Es erfordert Vertrauen in die Lernenden, dass sie ihre eigenen Haltungen reflektieren können und die Offenheit haben, selbst lernen zu wollen. Aber es bedeutet auch, dass Lehrende Unsicherheiten annehmen, Fragen offen lassen und den Mut haben, Kontrolle abzugeben.

Lernen und Verlernen – ein offener Prozess

Transformative Lernprozesse folgen keiner festen Methode und lassen sich nicht vollständig steuern. Es ist ein Prozess, der von der Offenheit, vom Vertrauen lebt und Raum gibt für Fragen und Zweifel. Für den Pusch-Umweltunterricht bietet transformatives Lernen grosse Chancen. Es ermöglicht, Kindern und Jugendlichen nicht nur kognitiv, sondern auch emotional zu erreichen – und dies trägt dazu bei, die Lücke zwischen Wissen und Handeln zu schliessen.

Transformation anstossen – mit dem Pusch-Umweltunterricht

Der kostenlose Pusch-Umweltunterricht behandelt Umweltthemen aus der Lebenswelt der Schüler:innen – vom Kindergarten bis zur 9. Klasse.

Vorteile des Umweltunterrichts:

  • Umweltthemen lehrplankonform, altersgerecht und praxisnah aufbereitet von erfahrenen Umweltlehrpersonen

  • Abwechslung und spannende neue Perspektiven für Ihre Schüler:innen

  • Keine Vorbereitung für die Lehrperson nötig

  • Keine Kosten für die Schule

  • Kostenloses Begleitmaterial für den Unterricht

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