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Zukunftskompetenzen und das Gefühl von Selbstwirksamkeit

Drei Jungs heben eine Schubkarre vom Boden auf.

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4 Minuten Lesezeit

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Zukunftskompetenzen befähigen junge Menschen, in einer komplexen und unsicheren Welt handlungsfähig zu bleiben. Um sie zu fördern, sollten Schulen zu Experimentierfeldern für Schüler:innen werden, in denen Ausprobieren und auch Scheitern erlaubt sind. Nadine Ramer Almer, Leiterin Schulangebote bei Pusch, erklärt, warum das wichtig ist und welches Schulgefäss sich dafür besonders eignet.

Was ist unter «Zukunftskompetenzen» zu verstehen?

Nadine Ramer Almer: Zukunftskompetenzen sind – anders als reines Wissen – Fähigkeiten, die es Menschen ermöglichen, in einer komplexen und unsicheren Welt handlungsfähig zu bleiben. Dazu zählen Kooperations-, Reflexions- und Partizipationsfähigkeit, kritisches und kreatives Denken sowie die Fähigkeit, neue und vielleicht auch unkonventionelle Lösungen zu entwickeln. Es geht darum, Wissen mit Erfahrungen zu kombinieren, anzuwenden, weiterzuentwickeln und so die Zukunft aktiv zu gestalten.

Warum ist es heute wichtiger denn je, dass Schulen nicht nur Wissen vermitteln, sondern Zukunftskompetenzen fördern?

Wir befinden uns in einer Welt voller Unsicherheit und Komplexität. Da reicht es nicht mehr, sich nur anzupassen – wir müssen die Zukunft in ökologischen, gesellschaftlichen und technologischen Fragen aktiv mitgestalten. Viele junge Menschen fühlen sich orientierungslos und ohnmächtig, denn reines Faktenwissen ohne Anwendung bleibt wirkungslos. Die klassischen Lernziele müssen deshalb weiterentwickelt werden.

«Zukunftskompetenzen fördern heisst auch, stetigen Wandel anzuerkennen.»

Nadine Ramer Almer, Leiterin Schulangebote bei Pusch

Inwiefern?

Schulen sollten weniger Orte reiner Wissensvermittlung sein, sondern vielmehr Raum bieten, in dem Schüler:innen experimentieren, gestalten und ihre Ideen entfalten können. Dies soll ihnen ermöglichen, gemeinsam an einem Problem zu tüfteln und Neues auszuprobieren. Genau das steckt in Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE) des Lehrplans 21: Kinder und Jugendliche sollen den eigenen Platz in der Welt reflektieren, Zusammenhänge verstehen, Verantwortung übernehmen und gesellschaftliche Veränderungen mitgestalten. Es klingt abgedroschen, aber Wandel bleibt die Konstante. Zukunftskompetenzen zu fördern, heisst deshalb auch, diesen stetigen Wandel anzuerkennen.

Wenn Sie an Ihre Schulzeit vor 30 bis 40 Jahren zurückdenken – was war damals anders als heute?

Damals hatten wir sicherlich weniger Wahl- und Mitgestaltungsmöglichkeiten. Es gab klare Hierarchien und vielleicht auch eindeutigere Wahrheiten. Die Welt empfand ich als einfacher und weniger reizüberflutend – dass es noch kein Internet und Social Media gab und sich alles lokal abspielte, trug sicherlich auch dazu bei.

Die Rahmenbedingungen sind heute anders: Kinder wachsen mit Widersprüchen auf, stehen vor komplexen Herausforderungen wie dem Klimawandel und werden mit einer Flut an Informationen aus dem Internet oder neuerdings auch von künstlicher Intelligenz konfrontiert. Das macht es schwieriger, sich eine Meinung zu bilden und die eigene Wertehaltung zu entwickeln. Heute können sich Kinder und Jugendliche zwar stärker einbringen, was jedoch auch zu Überforderung führen kann. Hier sind die Schulen gefordert, den Schüler:innen einen gesunden Umgang mit schnellen Veränderungen und einer vernetzten Welt zu vermitteln. Dazu braucht es Gelegenheiten, eigene Ideen zur Lösung eines Problems praktisch umzusetzen.

Was bedeutet das für Lehrpersonen? Das scheint eine andere Art des Lehrens zu werden?

Genau. Lernen sollte an aktuellen Themen und Interessen der Schüler:innen anknüpfen und sie Partizipation erleben lassen. Eine Möglichkeit ist, sie bei der Auswahl von Inhalten stärker einzubeziehen und mitbestimmen zu lassen. Es braucht Lernräume, in denen gemeinsames Ausprobieren und auch Scheitern erlaubt ist und ein Endergebnis noch offen ist. Das erfordert bei den Lehrpersonen einen Rollenwandel: Sie vermitteln nicht mehr klassisch Wissen, sondern begleiten den Lernprozess. Ein ausgezeichnetes Gefäss hierfür sind Projektwochen, weshalb wir bei Pusch dazu ein neues Angebot konzipiert haben.

«Aufbruchstimmung» – die partizipative Projektwoche

In der Projektwoche «Aufbruchstimmung!» üben sich Schüler:innen in Zukunftskompetenzen wie Partizipation, Selbstwirksamkeit und Problemlösefähigkeit und erhalten damit das Rüstzeug zum verantwortungsvollen Handeln.

Veränderungen werden oft als Zusatzbelastung wahrgenommen. Was können Schulen tun, damit diese eher als gemeinsame Chance erlebt werden?

Sich zuerst vor Augen führen, dass der Mensch ein Gewohnheitstier ist – das macht unseren Alltag ja auch leichter. Veränderungen sind also zunächst einmal anstrengend. Auf der anderen Seite bieten sie eben auch Chancen, aus bestehenden Strukturen, vielleicht sogar Zwängen, auszubrechen und Neues zu wagen. Hier hilft schon eine neue Sichtweise auf Probleme: Statt zu fragen «Was läuft schief?» könnte man auch überlegen: «Wie können wir etwas ändern, zur Lösung beitragen?» Das stärkt nicht nur die Lösungsorientierung, sondern auch das Gefühl von Selbstwirksamkeit.

Wichtig ist auch anzuerkennen, dass Veränderungen Zeit brauchen und sowohl für die Kinder als auch die Lehrpersonen ein Lernprozess sind. Man muss nicht gleich perfekt starten, sondern soll sich gemeinsam mit den Schüler:innen auf Entdeckungsreise begeben.

Eine Lehrperson hält ein Plakat hoch, auf dem steht «Ich werde zuhause eine Recyclingstation einrichten!». Vor ihr stehen mehrere Schüler:innen und hören zu. Auf dem Plakat sind Bilder von Recycling-Behältern abgebildet.

Selbstwirksamkeit erfahren.

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