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Gemeinden
Biodiversität
Praxisbeispiel

Wildblumensamen auf Reisen

Ein Landwirt fährt mit einer Maschine zum Sammeln von Samen mitten durch die Wiese.

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6 Minuten Lesezeit

Biodiversität

Praxisbeispiel

Für eine neue Wildblumenwiese braucht es geeignetes Saatgut. Dieses stammt idealerweise von artenreichen Spenderwiesen aus der Region. Wie daraus mit wenig Aufwand neue Lebensräume entstehen, zeigen Walliser Gemeinden im Projekt «Blühende Nachbarschaft» und schaffen so Biodiversitätsinseln mitten im Siedlungsraum.

Seit 2021 setzt sich Pusch im Rahmen des Projekts «Blühende Nachbarschaft» für mehr Blumenwiesen im Siedlungsraum ein – auch in der Romandie. Hier entwickelt sich das Projekt bewusst im Rhythmus von einer Region pro Jahr weiter. So kann nämlich Saatgut via sogenanntem «Mahdgutübertrag» regional auf die Reise geschickt werden. 2024 lag der Fokus auf dem Wallis als dritte Projektregion nach dem Jura und Freiburg.

Einmal «copy paste», bitte!

Die Idee ist einfach: Eine besonders artenreiche Wiese wird gemäht und das Schnittgut mitsamt Samen, Stängeln und Blüten direkt auf eine neue Fläche übertragen. So gelangen Samen regionaler Pflanzenarten an einen neuen Standort und schaffen die Grundlage für mehr Biodiversität. Voraussetzung für diese natürliche Form der Ansaat ist eine geeignete Spenderwiese.

Das Projekt

Mit «Blühende Nachbarschaft» unterstützt Pusch Gemeinden dabei, ungenutzte Grünflächen aufzuwerten und üppig blühende Blumenwiesen mit heimischem Saatgut wieder in unsere Nachbarschaft zurückzuholen. Ziel ist, Ende 2026 in mindestens 50 Gemeinden insgesamt 35’000 m² artenreiche Wildblumenwiesen anzulegen.

Mehr zum Projekt «Blühende Nachbarschaft»

Eine Spenderwiese aus der Region

Eine solche Spenderwiese wurde 2024 für die Gemeinden Saint-Maurice und Vernayaz gesucht. Dank der Zusammenarbeit mit dem Regionalen Naturpark Trient wurde man in Épinassey, einem Ortsteil von Saint-Maurice, fündig. Die Landwirtin Stéphanie Mottiez stellte eine besonders blütenreiche Wiese zur Verfügung, die die Anforderungen für die ökologische Aufwertung anderer Standorte optimal erfüllte:

  • Regionale Herkunft – eine wichtige Voraussetzung für die Förderung der einheimischen Biodiversität.

  • Hohe Artenvielfalt – mit zahlreichen für artenreiche Wiesen typischen Pflanzenarten.

  • Futter für heimische Tiere – dank der Vielfalt bietet die Wiese Nahrung für eine Vielzahl von Hummeln, Bienen, Schmetterlingen und Vögeln.

Für den Ertragsausfall, der durch den Verzicht auf die Heuernte entstand, erhielt die Landwirtin eine Entschädigung.

«Saatgut regionaler Herkunft ist ein lebendiges und zugleich empfindliches Erbe, das aus jahrhundertealten Bewirtschaftungspraktiken hervorgegangen ist. Es gilt, dieses wertvolle Naturerbe für künftige Generationen zu bewahren.»

Frédéric Sanchez, Projektleiter bei Pusch

Ernten, sammeln, transportieren

Mitte Juni machte sich Landwirt David Jacquemoud aus dem nahen Evionnaz an die Ernte und den Übertrag des Heus auf die neuen Flächen. Er war für diese Aufgabe bestens ausgerüstet. Das ist wichtig, denn die Arbeiten müssen in einem Zug erfolgen:

  • Samenernte auf der rund 1000 Quadratmeter grossen Spenderwiese mit einer Motormähmaschine.

  • Zusammenrechen des Heus mit einem Schwader für einen einfacheren Abtransport.

  • Mechanische Aufnahme des Mahdguts in zwei grossen Rundballen, Transport zu den vorgesehenen Flächen.

So gelangten tausende von Wildblumensamen an ihren neuen Bestimmungsort.

Pflügen, verteilen und der Natur überlassen

Die erste neue Wildblumenwiese entstand auf einer öffentlichen Fläche der Gemeinde Vernayaz. Die rund 770 Quadratmeter grosse Fläche musste aber erst vorbereitet werden, damit die Samen ideale Bedingungen vorfinden konnten:

  • Durch das Pflügen wurden erst unerwünschte Pflanzen wie die Quecke beseitigt.

  • Kurz vor der Aussaat wurde die Fläche geeggt. Dadurch entstand ein feinkrümeliger, lockerer Boden.

Am Tag der Übertragung wurde das Mahdgut mit einer landwirtschaftlichen Maschine, die dem Ausbringen von Stroh dient, gleichmässig auf der Fläche verteilt. Für den Feinschliff sorgten die Landwirte anschliessend von Hand mit dem Rechen. Ist das Heu einmal verteilt, übernimmt die Natur den Rest. Die Samen fallen zu Boden und keimen ganz ohne Düngung oder Bewässerung. So entsteht mit der Zeit eine neue artenreiche Blumenwiese.

Eine inspirierende Kreislaufdynamik

Bereits am Tag nach der ersten Heugrasernte sammelte Wolfgang Bischoff, Experte für Wildblumenwiesen, weitere Samen von der Spenderwiese in Épinassey mit einer selbst entwickelten Maschine. Dieses Gerät mäht nicht, sondern sammelt die Heublumen direkt in einem Behälter.

Ein Teil dieses Saatguts kam im Frühling 2026 auf anderen Flächen in Saint-Maurice zum Einsatz, der Rest war für weitere Ansaaten in anderen Walliser Gemeinden bestimmt. Schritt für Schritt entsteht so ein lebendiges Netzwerk aus artenreichen Wiesen, das sich über die Region hinaus ausbreitet.

In der Schaufel liegen die gesammelten Samen und Blüte.

Weit mehr als nur Saatgut. Hier drin steckt die Pflanzenvielfalt der Region für weitere Wildblumenwiesen.

Blühende Wiesen, die Menschen verbinden

Hinter jeder von Pusch initiierten Blumenwiese steht eine enge Zusammenarbeit zwischen Landwirt:innen, Gemeinden, Fachpersonen und Organisationen. Die Projekte in Vernayaz und Saint-Maurice zeigen exemplarisch, was möglich ist und motivieren weitere Gemeinden, Unternehmen und Grundeigentümer:innen, durch das Anlegen von Wildblumenwiesen einen Mehrwert zu schaffen.

Denn eine blühende Wiesenpracht aus heimischen Pflanzen ist weit mehr als «nur» ein schöner Anblick: Sie leistet einen wichtigen Beitrag für Bestäuberinsekten, verbessert die Bodenqualität und stärkt die ökologische Widerstandsfähigkeit gegen Klimakapriolen wie Hitze, Trockenheit oder Überschwemmungen.

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